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Geschichte der Orgelwerkstatt Kristian Wegscheider
Februar 1999


Im Jahr 1989 wurde die Orgelwerkstatt Kristian Wegscheider in Dresden gegründet. Diese Jahreszahl läßt vermuten, daß die Idee zur Gründung mit den vehementen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen jenes Jahres zusammenhängt, was aber nicht der Fall war. Gegründet wurde die Werkstatt noch zu komplizierten DDR-Zeiten, als die Entstehung eines neuen Privatbetriebes keineswegs ein einfaches Unterfangen war.

Kristian Wegscheider (geb. 1954 in Ahrenshoop) hat nach dem Abitur und seinem Armeedienst 1974 für ein Jahr in einer Möbeltischlerei in Barth (Vorpommern) gearbeitet und anschließend von 1975 bis 1978 den Orgelbau in der Dresdner Firma Jehmlich erlernt. Noch während seiner Ausbildung begann er, sich intensiv mit historischen Orgeln zu beschäftigen und wurde 1976 bis 1980 von der Firma Jehmlich zu dem Fachschulfernstudium Restaurierung von Musikinstrumenten in Berlin und Leipzig delegiert. Als Orgelrestaurator und Leiter der Restaurierungsabteilung plante und leitete er in der Orgelbaufirma Jehmlich solch interessante Arbeiten wie die Restaurierungen der Freiberger Domorgel (Silbermann 1714) und der Güstrower Domorgel (Lütkemüller 1868).

Da die Restaurierung und selbst die Reparatur von Orgeln in der
DDR oft stiefmütterlich behandelt wurden (Wartezeiten bis zu 20 Jahren waren keine Seltenheit), kam Kristian Wegscheider 1987 die Idee, eine eigene Werkstatt zu gründen, die sich speziell diesen Anliegen widmen sollte. Der Weg dahin war mit zahlreichen Hürden wie u.a. der folgenden gepflastert: die Gewerbeerlaubnis erhielt man bei Vorlage der Gewerberaumzuweisung der „Staatlichen Wohnraumlenkung“, und die Gewerberaumzuweisung erhielt man nur bei Vorlage der Gewerbeerlaubnis u.s.w...
Um die Wartezeit zu überbrücken, arbeitete Wegscheider für knapp ein Jahr in der Restaurierungswerkstatt des Musikinstrumentenmuseums der Universität Leipzig.
Durch die Hilfe von Freunden und mit etwas Glück wurden jedoch die anfänglichen Schwierigkeiten überwunden. Schnell waren sie in Vergessenheit geraten, als die Arbeit im Frühjahr 1989 mit dem Renovieren einer alten Tischlerei auf der Alaunstraße 13 in der Dresdner Neustadt begonnen werden konnte. Zu Kristian Wegscheider gesellten sich die ersten zwei Mitarbeiter: der Orgelbauer und Pfeifenmacher Hartmut Schütz, ebenfalls bei Jehmlich ausgebildet, und der befreundete Tischler Matthias Weisbach.
Die Auflage des Gewerbeamtes, sofort mit der Meisterausbildung zu beginnen, wurde erfüllt und im Dezember 1990 erhielt Kristian Wegscheider seinen Meisterbrief.

Am 1. Juni 1989 begann die Werkstatt offiziell zu arbeiten und am 9. September 1989 wurde gemeinsam mit vielen Kollegen und
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