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Freunden die Einweihung gefeiert. Für das große Einweihungsfest wurde ein Sonderzug der Kleinbahn nach Kippsdorf gemietet und die Werkstatt mit Vorplatz auf der Alaunstraße 13 in ein Freilichttheater verwandelt. Als im Herbst 1989 die Grenzen aufbrachen, machte sich die inzwischen fünfköpfige Mannschaft auf eine einwöchige "Entdeckungsreise" in den "Westen" - um endlich einmal Orgeln selbst zu hören und zu sehen, von denen man oft erzählt bekommen und gelesen hatte, die aber noch Wochen vorher unerreichbar fern schienen. Diese Woche an den alten Instrumenten Ostfrieslands war für alle eine Reise ins “Orgelbauer-Schlaraffenland”. Besichtigung der Orgelwerkstatt eines der berühmtesten deutschen Orgelbauer der Gegenwart, Jürgen Ahrend, Kontakt zur Norddeutschen Orgelakademie und Gespräche mit Organologen, Musikwissenschaftlern und Organisten wurden und werden zur wertvollen Hilfe der eigenen Standortbestimmung bildeten und bilden die Grundlage für das eigene künstlerische Schaffen.
Solche "Bildungsreisen" als gemeinsame Betriebsausflüge sind zu einer schönen Gewohnheit geworden: eine andere Reise führte nach Süddeutschland und in die Schweiz, die dritte nach Italien, 1996 nach Frankreich.

Der erste Auftrag der "Restaurierungswerkstatt für Orgeln" war ein Neubau: die Schloßkapelle des Schlosses Allstedt (im Mansfeld) sollte eine kleine Orgel erhalten, die sich ganz dem barocken Raum anpassen und auch technisch an alten Vorbildern orientiert sein sollte.
Die Werkstatt machte sich daran, etwas zu verwirklichen, was so bisher noch nicht in Ostdeutschland geschehen war: ganz aus Holz, Zinn, Blei, Leder und Messingdraht und ohne Sperrholz und Spanplatten, Aluminium, Nitrolack, Plasteteile, Kunststofftastenbeläge und vorgefertigte Mechanikteile zu verwenden, sollte eine neue Orgel entstehen - Orgelbau im klassischen Stil also, nicht sklavisch kopierend, aber mit den seit Jahrhunderten bewährten und lange haltbaren Materialien.

Eine von Kristian Wegscheider lang gehegte Idee konnte ebenfalls verwirklicht werden: das Instrument erhielt zwei verschiedene Temperaturen, Stimmungsarten. Über die Registerzüge läßt sich die musikalische Temperatur wechseln, so kann man wahlweise für Renaissancemusik mitteltönig oder für Barockmusik wohltemperiert spielen. Diese in Europa bis dahin erstmalige Bauweise wurde angeregt von einer Orgel, die der Amerikaner Charles Fisk in Standfort, Kalifornien baute. Wegscheider entwickelte dieses System weiter und verbesserte es technisch und auch musikalisch.

Dem Neubau folgten nun interessante Restaurierungsarbeiten, die den Wirkungskreis der Werkstatt bis nach Mecklenburg/Vorpommern, Sachsen Anhalt, Brandenburg und Thüringen erweiterten und damit eine neue Orgellandschaft für die im sächsischen Orgelbau verwurzelten Mitarbeiter erschlossen. Manchmal waren es richtige Orgelruinen, derer sich Kristian Wegscheider mit seinen inzwischen sieben Mitarbeitern annahm. Die Orgeln von Neuensund, Groß Eichsen
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