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oder Heringen waren schon lange nicht mehr spielbar. Wasserschäden oder Holzschädlinge hatten den Instrumenten so zugesetzt, daß andere Orgelbauer nur bedauernd abgewinkt und einen Neubau empfohlen hatten. Doch waren diese Instrumente zu wertvoll, um auf dem Müll oder im Brennholz zu landen und stets waren die Gemeinden dankbar für die umfangreichen Erhaltungsmaßnahmen an den Ausstattungsstücken ihrer Kirche.

1993 bahnte sich der Verkauf des Grundstückes an, auf dem die Werkstatt ihr Domizil hatte, und so begann die Suche nach einer neuen, eigenen Bleibe. Außerdem platzen die Räume aus allen Nähten: in einer 2,50 Meter hohen Werkstatt im 1. Obergeschoß wurden u.a. über drei Meter lange Prospektpfeifen gebaut; der Maschinenraum war im Erdgeschoß - also mußte jedes Brett die Treppe hinauf getragen werden; kein Instrument konnte ganz zusammengebaut werden, da die Räume zu niedrig waren; der Holzplatz quoll über - und die Werkstatt zählte mittlerweile 10 Personen, die sich mit Pfeifen, Bälgen, Windladen, Gehäuseteilen, Gießkessel, Maschinen, Schreibtisch und Kühlschrank 400 Quadratmeter teilen mußten, wobei allerdings die zuletzt aufgezählten meist die Sieger blieben.

In Dresden - Hellerau im alten Dorfkern von Rähnitz fand sich schließlich eine alte Tischlerei, die vor 50 Jahren in einem Bauerngehöft eingerichtet worden war und schon seit zehn Jahren leer stand. Gleichzeitig mit der Restaurierung der Bremer Silbermann-Orgel und dem Bau der Kopie für das Frauensteiner
Silbermann-Museum vollzog sich die Renovierung der Gebäude und im Laufe des Sommers 1994 konnte nach und nach jeder mit seinen Werkzeugen und Orgelteilen umziehen. Am 3. Juli 1994 war es dann soweit: wieder wurde ein Einweihungsfest gefeiert - diesmal mit einem Konzert an zwei Orgeln. Die Bremer Orgel und ihre Kopie standen nebeneinander und erklangen gemeinsam, kräftig unterstützt von Mitgliedern des Dresdner Barockorchesters.

Der Arbeitsalltag hat nach diesem schönen Fest natürlich wieder Einzug gehalten, nicht aber Langeweile. Zahlreiche interessante Arbeiten beschäftigten seit dem die 10 Orgelbauer um Kristian Wegscheider. Neben der aufwendigen Restaurierung der Schulzeorgel in Markneukirchen mit Rekonstruktion einer Posaune 32’ (durchschlagend), baute die Werkstatt in Steinwedel (bei Hannover) eine neue Orgel mit 20 Stimmen in ein historisches Gehäuse. In dieser Orgel konnte gezeigt werden, was die Orgelbauer von den historischen Orgeln gelernt hatten.

Eine Besonderheit war der Orgelneubau im benachbarten Dresden-Wischdorf. Hier entstand eine neue Orgel mit 14 Registern und wiederum 2 Temperaturen.
Ein Höhepunkt der Werkstatt war die Fertigstellung der Orgel in Langhennersdorf bei Freiberg, ist sie doch das Meisterstück und Opus 1 des berühmten Orgelbauers Zacharias Hildebrandt, Meisterschüler von Gottfried Silbermann. Die an dieser Orgel gesammelten Erfahrungen konnten sehr wirkungsvoll in einen
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