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 — Artikel  —  — H.C. Snerha und die Bachstimmung  —
Die "Stimmklammer" war also eine reine Septime, geht es mir durch den Kopf, in der Bach vermutlich die 5 Quinten gleichmäßig verteilte.
Bei Snerha heißt es weiter sinngemäß: Zuerst wurde die Terz F-A rein gestimmt und dann die Quinte A-E (also a1-e2), anschließend wurde die Quinte F-C (also f1-c2) rein gestimmt und überprüft ob die Terz C-E (also c2-e2) auch rein ist. Das ging gewöhnlich sehr schnell. Nun stimmte Bach die Töne A und C wieder um, lässt das A gegen das F etwas aufwärts und das C gegen das E etwas abwärts schweben. Die Terz C-E schwebt dabei genau so schnell wie die die Quint A-E. Die Quint F-C soll dabei sehr langsam schweben, etwa nur "den dritten Theil" so schnell. Bach würde immer "mit dem Kopfe nicken", wenn dieser Vergleich stimmte, so ähnlich drückte sich Snerha aus.
Die Schwebungsgröße der Terz F-A überträgt Bach nun auf die nächsten beiden Quarten. G wird unter das C gestimmt (etwas tiefer als rein, also c2-g1) und das D über das A (etwas höher als rein, also d2-a1), beide schweben aber genauso schnell wie die Terz F-A. Für die Schwebung der nächsten Quarte bedient sich Bach als Vergleich der Schwebung der Quinte F-C, die ja deutlich langsamer schwebt. Das H wird unter das E gestimmt (H wieder etwas tiefer als rein, also h1-e2), allerdings mit der doppelter Schwebung der Quinte F-C.
Wenn ich den Text richtig abgeschrieben habe, so erwähnt Snerha dann noch, dass Bach lächelt mit dem Kopf schaukelte, wenn er die Schwebung der Quinte G-D (also g1-d2) prüfte, die nun etwa genauso schnell schwebte, wie die Quarten G-C und A-D als auch die Terz F-A.
Nach diesem Schritt war dann fast alles fertig. "Fortan lief es sehr zügig". Von H den Quintenzirkel aufwärts wurden nur noch reine Quinten aufwärts und reine Quarten abwärts gestimmt, was Bach in einem "Geschwindtmarsch" beherrschte. Wenn er beim Ton F aber nicht richtig ankam, sich also keine reine Quarte B-F ergab, ging er wieder 2 Schritte rückwärts, also F-B und B-Es ("krebste er wieder weg"), ließ es dann aber beim Ton Es (also es2) bewenden. Die kleine "Differenzia" mochte zwischen Es und Gis bleiben. Meist war diese aber kaum hörbar.
Snerha bemerkte noch, dass Bach zuweilen das Gis noch etwas tiefer stimmte , bis die Terz E-Gis ihm erträglich war, das schlechtere As-Dur hat er dann in Kauf genommen. Anschließend folgte das Stimmen in reinen Oktaven.
Mit den Terzen über E, H, Fis, Cis und Gis war Bach bei dieser Stimmung eigentlich nie ganz zufrieden. Für die Orgel sind diese Terzen eigentlich noch "viel zu scharff", wie Snerha den Thomaskantor in einem Gespräch mit Krebs hatte reden hören. Doch für das Cembalo sei diese Stimmung wirklich gut praktikabel und sehr einfach zu Stimmen.

Wieder und wieder ging ich mit brennender Schulter meine Abschriften durch, verglich die Werte und Angaben. In großer Aufregung fing ich endlich an, auf meinem Taschenrechner alles nachzurechnen. Wenn Bach einen Stimmton für a1 mit 415 Hz verwandte, evtl. in der geheizten Wohnung auch 416 Hz ?, so müssten sich für die zu stimmenden Töne folgende Hertzwerte ergeben:
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