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 — Artikel  —  — H.C. Snerha und die Bachstimmung  —
und vor dem Kirchenportal stehend vernehmen konnte.
Zu meinem Auto waren es nur 5 Minuten Fußweg, der KFZ-Dienst war immer noch nicht eingetroffen. Ein merkwürdiger Geruch breitete sich plötzlich aus und dann sah ich sie auch schon, die meterhohen Flammen. Offenbar hatte sich das Benzin nun doch entzündet. Mein Gott, die Kirche, so schoss es mir durch den Kopf. Ich hörte die Sirene, rannte zurück, wurde aber von einigen Mitgliedern der örtlichen freiwilligen Feuerwehr nicht bis zur Kirche vorgelassen. "Treten Sie zurück - die Feuerwehr ist unterwegs". Man muss die Kirche retten, schrie ich aufgebracht - "das wissen wir auch" schnauzte es zurück.
Der Rest ist schnell erzählt. Die Kirche hatte inzwischen wirklich Feuer gefangen und brannte lichterloh. Verschiedene Feuerwehrhelfer trugen noch Teile des Altars, die Abendmahlsgeräte, zwei Bibeln, etliche Bilder, das Agenda-Buch und massenhaft Gesangbücher heraus. Immer wieder schrie ich dazwischen, DIE AKTEN AUF DER EMPORE !!! - doch man hielt mich nicht nur zurück sondern offenbar auch für etwas geistesgestört. Als ich mich zum brennenden Kirchenportal durchgeboxt hatte, bekam ich plötzlich einen Schlag auf den Kopf und verlor kurz das Bewusstsein. Durch eine laute Explosion, nun brach der Tanklastzug wohl auseinander, kam ich wieder zu mir und fand mich zwischen zwei DRK-Helfern, die versuchten, mich zu beruhigen. Mit sanfter Gewalt wurde ich in den Rot-Kreuz-Robur (ein kleinerer LKW) geschoben, landete anschließend im Kreiskrankenhaus Eilenburg in der Notaufnahme.
Mit nur leichten Verbrennungen war die ambulante Notversorgung schnell beendet. Ein freundlicher Jesewitzer Bürger nahm mich mit seinem Auto wieder mit zurück. "Den kleenen Umwech mach ich jern" - sagte er, sicher auch aus Schaulust, denn die Brandkatastrophe musste ich ihm mehrmals ausführlich erzählen.
Fahrt nach Jesewitz - kurz nach 8 Uhr treffe ich doch tatsächlich noch den KFZ-Fritzen und erfahre, dass die Werkstatt mir einen neuen Anlasser in meinen Trabant einbauen musste. Aber nun fährt er wieder. Ich bezahle und mache mich mit der schmerzenden Schulter auf den Heimweg nach Dresden. Das Hemd reibt fürchterlich - mit freiem Oberkörper erreiche ich Haus und Hof, sitze fröstelnd mit heißer Schulter in der Küche .
Das ist doch alles nicht wahr - das glaubt mir niemand, geht es mir immer wieder durch den Kopf. Wem soll ich diese Geschichte erzählen.
Nun suche ich meine Aufzeichnungen heraus. Stück für Stück versuche ich meine flüchtige Abschrift über das Stimmschemata zu interpretieren. Wie in Trance rekonstruiere ich Snerha's Angaben.
Bach hatte zunächst eine Stimmpfeife, eine kleine hölzerne gedeckte Orgelpfeife, deren Ton er auf das Cembalo übertrug, "Stimmung im gleichen Thon". Meistens war es ein F, aber auch eine A-Pfeife will Snerha bemerkt haben, die Bach jedoch selten "anwandte".
Nachdem der Ton F von der Orgelpfeife auf das Cembalo übertragen war, stimmte Bach den Akkord F-A-C-E (also vermutlich f1-a1-c2-e2).
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